Was macht ihr mit euren alten Klamotten? Ab und an miste ich mich meinen Kleiderschrank aus und frage mich, was tun mit den Dingen, die ich nicht mehr tragen möchte? Verschenken, tauschen oder Altkleidercontainer? Manches ist ja einfach nicht mehr gut genug zum Weitergeben, oder sogar kaputt. Doch bevor ich etwas wegwerfe, überlege ich, ob man aus den alten Dingen noch etwas neues zaubern kann. Upcycling!

T-Shirt-Upcycling

Neulich habe ich in einem DIY-Buch gesehen, wie vorgeschlagen wurde aus recyceltem T-Jersey-Garn einen Teppich zu weben. Das hat mich auf die Idee gebracht, das Garn gleich selbst zu recyceln. Dazu habe ich angefangen alte, sehr abgetragene T-Shirts in meinen Lieblingsfarben zu sammeln. Da man sehr viele T-Shirts braucht, habe ich Freundinnen, meine Mama und meine Schwester gebeten, ebenfalls an mich zu denken, bevor sie ihre alten Shirts wegschmeißen. Dabei war es mir sehr wichtig, dass es wirklich Shirts sind, die niemand mehr tragen möchte. Denn obwohl T-Shirts in manchen Bekleidungsketten die billigsten Produkte sind, stecken in ihnen sehr viele Ressourcen.

Warum ist es so wichtig, T-Shirts zu retten?

 

Zunächst muss Baumwolle gepflanzt, bewässert, geerntet und zu Garn und anschließend zu Stoff verarbeitet werden. Daraus wird dann, in den allermeisten Fällen in Billiglohnländern wie Bangladesch, ein T-Shirt genäht. Leider werden hier kaum Sozialstandards und Arbeitsschutzmaßnahmen eingehalten. Wusstet ihr, wieviel Prozent des Preises, den wir in Deutschland für das Shirt bezahlen bei der Näherin pro T-Shirt ankommen? Traurige 0,6 Prozent.

Wenn ihr darüber mehr wissen wollt, klick mal hier:

https://www.fairfashionguide.de/index.php/infoboxen/item/23-was-kostet-mein-t-shirt

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Damit diese Arbeit nicht nach einer Saison umsonst war, und um dieses ausbeuterische System nicht weiterhin zu befeuern und zu unterstützen, ist es wichtig, Kleidung so lange wie möglich zu tragen und am Ende möglichst noch etwas neues daraus zu gestalten.

Kanntet ihr schon das Prinzip des „virtuellen Wassers“? Ich wusste zwar, dass Baumwolle viel Wasser zum Wachsen braucht, aber mir war nicht bewusst, wieviel Wasser tatsächlich im Durchschnitt verbraucht werden, bis das T-Shirt bei uns im Laden hängt: es sind 4.100 Liter! Das hat mich noch mehr motiviert, meine alten Shirts so lange wie möglich zu verwenden und sei es am Ende als Teppich 🙂

Anleitung T-Shirt-Teppich Weben

Schneidearbeit

Als ich circa 12 T-Shirts beisammen hatte, habe ich begonnen, die Shirts zu zerschneiden.

Das ging am besten, indem ich je ein T-Shirt über das Bügelbrett gezogen und dann von unten in den Saum geschnitten habe. Dabei habe ich das Shirt wie beim Schälen einer Orange in ein langes Band mit circa 1,5 – 2 cm Breite geschnitten. Anschließend konnte ich das lange Band zu einen Knäuel aufwickeln.

Den Reifen bespannen – Wichtiges

Bevor es mit dem Weben losging, habe ich einen großen Hoolahoop-Reifen (Durchmesser 78 cm) bespannt. Man kann hierfür jede Art von Reifen verwenden, je größer der Durchmesser, je größer wird der Teppich. Zum Bespannen habe ich gekauftes Jerseygarn verwendet. Das ist leicht elastisch, deshalb muss man beim Bespannen aufpassen, dass man nicht zu sehr anzieht, sondern das Garn locker von oben nach unten um den Reifen legt. Spannt man es zu sehr, zieht sich das Garn nach dem Lösen der Webarbeit wieder zusammen und der Teppich schlägt große Beulen und lässt sich nicht mehr glatt ziehen. Das ist mir beim ersten Mal passiert und ich musste meine stundenlange Webarbeit wieder auflössen und nochmal von vorne beginnen! Eventuell ist es besser, nichtelastisches, Baumwollgarn zu verwenden. Um das zu testen, muss ich zunächst erst wieder T-Shirts sammeln :-).

Reifen bespannen – Ran an die Arbeit

Für das Bespannen teilt man den Reifen in gleichmäßige Abstände ein. Ich hatte am Ende 24 Kettfäden, also die Grundfäden, durch die man dann das Garn webt. Man knotet das Garn an einer Stelle fest (Achtung: etwas Garn überhängen lassen, damit man später den Kettenfaden noch gut verknoten kann.). Dann legt man das Garn locker, aber nicht lose, auf die gegenüberliegende Seite. Führt es unter dem Reifen durch und bringt es wieder nach oben zum nächsten Punkt rechts (oder links, wie ihr mögt) neben dem Start. Hier legt ihr das Garn wieder unter den Reifen und bringt es wieder nach unten zum nächsten Punkt links (oder rechts, wenn ihr oben das Garn nach links gelegt habt) neben dem zweiten Punkt. So entsteht ein X-förmiges Gebilde, das am Ende wie eine Ratspeiche aussieht. Sollten die Enden, die um den Reifen liegen leicht verrutschen, könnt ihr sie mit einen Streifen Klebeband befestigen. Damit der Webstart einfacher ist, habe ich im Zentrum meiner Kettfäden ein Stückgarn durchgeführt und so die Mitte markiert und stabilisiert. Endlich kann es jetzt losgehen mit dem Weben.

Der Webvorgang

Leinwandbindung

Es gibt verschiedene Webtechniken. Die einfachste Webart ist die Leinwandbindung. Hier bringt man den sogenannten Schussfaden (unser T-Shirt-Garn) von unten durch die Kettfäden nach oben. Dann legt ihr ihn über einen Kettfaden, und bringt ihn von oben wieder unter die Webarbeit. Hier führt ihr ihn unter dem zweiten Kettfaden hindurch nach oben und legt ihn über den dritten Kettfaden. Danach geht es von vorne los und ihr führt ihn wieder nach unten u.s.w.

Köperbindung

Eine ähnliche Webart ist die Köperbindung. Hier man den Schussfaden ebenso von unten durch die Kettfäden nach oben. Nun legt man ihn über zwei Kettfaden, bringt ihn dann von oben wieder unter die Webarbeit und führt ihn unter dem dritten Kettfaden wieder nach oben. Hier legt man ihn wieder über zwei Kettenfäden, bringt ihn nach unten und führt ihn unter einem Kettfaden wieder nach oben u.s.w.

Dadurch entsteht eine treppenförmige Struktur, die man besonders in einer geraden gewebten Fläche gut sieht. Das kann man gut an Jeanshosen sehen. Der sogenannte „Denim“ ist in Köperbindung gewebt. Da unser Teppich rund wird, fällt das nicht so auf, gibt aber eine lockere Struktur als wenn man direkt mit der Leinwandbindung beginnt.

Die ersten Runden

Da meine Kettfäden weiß sind, habe ich mit einem weißen T-Shirt-Knäuel begonnen. Am Anfang liegen die Kettfäden noch sehr dicht beisammen, deshalb ist es einfacher, ein kleines Knäuel zu verwenden. Denn es soll ja zwischen den Kettfäden hindurch passen. Die ersten 30 cm circa, habe ich die Köperbindung angewendet. Hierfür empfiehlt es sich, eine gerade Anzahl an Kettfänden auf den Reifen zu spannen. So ergibt sich automatisch ein treppenförmiger Wechsel. Für die Leinwandbindung dagegen, die man dann zum größeren Teil ausführt, ist eine ungerade Anzahl an Kettfäden von Vorteil. Ansonsten müsste man an einer Stelle immer zwei Kettfäden überspringen, damit sich ein stetiges Auf und Ab des Schussfadens ergibt. Dieser Fakt erklärt sich am besten beim Weben.

Lasst am besten circa 10 cm eures Schussfadens auf der Unterseite nach unten hängen, wenn ihr zu Weben beginnt. So könnt ihr ihn später durch das Gewebe ziehen, um ihn zu verstecken.

Achtet beim Weben darauf, dass ihr euer T-Shirt-Garn nicht zu stark anzieht beim Weben. Denn hier ergibt sich der gleiche Effekt wie beim Bespannen des Reifens. Stehen die Garne zu sehr unter Spannung, zieht sich die ganze Webarbeit nach dem Lösen vom Reifen zusammen. Eurer Teppich wirft dann Falten, rollt sich zusammen und wird eher eine Art Korb 😉

Je nach Designwunsch könnt ihr die Breite eurer Runden bestimmen, indem ihr entweder das ganze T-Shirt-Knäuel verwendet oder weniger. Anfangs empfiehlt es sich, weniger zu verwenden, da die Farbpartien nach außen hin immer schmäler werden. Denn der Radius vergrößert sich laufend. Seid ihr mit einer Farbe fertig, lasst wieder circa 10 cm Faden nach unten hängen. Das könnt ihr anschließend zwischen den gewebten Schussfäden durchziehen.

Die Webarbeit vom Reifen nehmen

Gegen Ende des Webvorgangs kann man die T-Shirt-Knäule immer schlechter zwischen der Webarbeit und dem Reifen hindurchführen. Das ist aber nicht schlimm, denn am besten hört ihr vorher auf zu Weben, sodass noch unbewebte Kettfäden übrig bleiben. So habt ihr Luft, um die Kettfäden nach Abnehmen der Webarbeit zu verknoten. Schneidet einfach die Kettfäden am Reifen durch und verknotet anschließend beide Enden. Sind die losen Enden noch lang genug, könnt ihr sie zwischen die Schussfäden einfädeln, um sie zu verstecken. Nun ist euer Teppich gesichert.

Zum Schluss könnt ihr noch um die letzten 1-2 Schussfädenreihen Fransen knoten. Dazu könnt ihr aus den T-Shirt-Resten circa 30 cm lange Fransen schneiden. Diese nehmt ihr doppelt, führt das Schlaufenende von oben nach unten um die letzten beiden Schussreihen herum und zieht die losen Enden durch die Schlaufe durch. So entstehen Fransen und euer Teppich sieht noch mehr nach Teppich aus. Da der Stoff auf glatten Böden rutscht, empfiehlt es sich ein Teppichgitter unterzulegen. Viel Spaß mit eurem neuen Teppich wünscht euch eure Mella

Videolösung anstatt Live-Kurse

In meinem ersten Blogartikel habe ich darüber geschrieben, wie die Idee zur SchöneDingeMacherei und den Stickkursen für Kinder entstand. Leider ist mir der Ausbruch des Coronavirus zuvorgekommen und ich musste meinen allerersten bereits geplanten Kurs absagen. Deshalb versuche ich nun so schnell wie möglich eine Videolösung für euch zu finden, sodass ich meine Kurse online anbieten kann. Denn genau jetzt ist endlich mal Zeit für neue Hobbys und sämtliches aus dem DIY-Bereich, das man schon immer mal ausprobieren wollte!

Macht es euch gemütlich und stickt mit mir!

Fällt euch auch schon die Decke auf den Kopf? Eine meiner liebsten Zeitvertreibe an langen Nachmittagen oder Abenden ist das Sticken. Es macht Spaß, mit den eigenen Händen ein buntes Muster oder Motiv entstehen zu lassen und lässt einen konzentriert und fokussiert werden. Alles was man dafür braucht ist: etwas Stoff, oder ein Kleidungsstück, einen Stickrahmen, etwas Stickgarn (oder anderes Garn), eine Nadel, eine kleine Schere. Schon geht’s los! Und zwar überall, wo man es sich gemütlichen machen kann: Auf der Couch, im Lesesessel, oder im Garten auf einem Liegestuhl… alles ist möglich.

Ich hoffe, ich kann euch bald die ersten Videos zur Verfügung stellen und auch Material schicken. Ich freue mich riesig, dass das Abenteuer bald beginnt. Bleibt gesund und munter! Bis bald,

eure Mella